100km Rucksacklauf

Zieleinlauf Belchen Multen, Foto: Maike Bullert

Nach langer Zeit des Wartens, durften wir das erste Mal wieder seit 2015 die 100 Kilometer in Angriff nehmen. 2015 war meine erste Teilnahme beim “letzten Abenteuer im Schwarzwald“. Ich kam genau 5km weit und überschlug mich so verheerend, dass meine Bindung brach. Ehrliche gesagt, ich war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht bereit für diese 100 anspruchsvollen Kilometer.
Ein Jahr später war ich bereit! Der Schnee war Mangelware und somit wurde die Strecke auf 50km verkürzt. Ich beendete das Rennen auf dem 3. Gesamtrang. Auch 2018 gelang mir ein gutes Rennen (4. Platz) aber eben auch wieder nicht auf der 100km Distanz, die wiederrum den geringen Schneemengen zum Opfer fiel.

Stefan Weiss bereitet meine Ski vor.

2019 spielte uns das Wetter in die Karten. Es gab im Januar ausreichend Schnee und schon früh kam das OK, dass der Rucksacklauf über die volle Distanz von Schonach zum Belchen stattfinden konnte.
Mein Training lief gut. Eine kleine Erkältung fesselte mich wenige Tage zuvor ans Bett aber stoppte nicht meinen Tatendrang. Lange waren die Wetterverhältnisse sehr undurchsichtig für den Renntag.
In der klassischen Technik ist der Ski das “A und O“. Hält der Ski nicht im Anstieg, dann kann man aussteigen! Bis kurz vor dem Start war meine Art der Steigzone noch nicht klar: Klister, Wachs, Fell…??? Stefan Weiss, der mich bereits vor vielen Jahren im MTB Sport mit Pactimo unterstützt hat, half mir bei der Präparation der Ski. Er hat als Swix-Wachser die nötige Erfahrung und Ruhe.
Nach einem kurzen Skitest um 6.40 Uhr war die Wahl getroffen. Der Klisterski war meine Waffenwahl.

Als sei das Rennen nach 3km zu Ende, so muss man sich den Start in Schonach vorstellen. Es ging eine steile Rampe hoch, auf die eine weitere folgte. Die Spitzengruppe musste ich nach 30min ziehen lassen. Mein Rhythmus war wichtig. Jörg Schoder kam aus der Spitzengruppe auch zurück und wir liefen gemeinsam über 60km Seite an Seite. Jeder ambitionierte Läufer musste sich auf seine Betreuer verlassen. Sie reichten Getränke oder Essen. Das glich einer organisatorischen Meisterleistung für die Betreuer. Die möglichen Verpflegungspunkte mussten schnell organisiert und angefahren werden. Meine Frau Conny machte einen genialen Job! Nach 3 Stunden 47 Minuten erreichte ich, nach 60km, Hinterzarten. Mein Plan unter 7 Stunden zu bleiben schien greifbar nah.
Jeder Teilnehmer weiß, der Feldberg hat seine eigenen Gesetze. So auch an diesem Freitag.
Unmittelbar mit dem Austritt aus dem Wald am Grübele, blies mir der kalte Wind mit seinen Schneeflocken ins Gesicht. Der Ski, der bis dahin super lief, setzte sich mit Stollen zu. Das war so heftig, dass ich phasenweise ans Gehen gedacht habe. Ich kämpfte mich fünf Kilometer durch den frisch gefallenen Schnee und merkte, wie ich die Minuten verlor. Nur wenige Höhenmeter tiefer lief der Ski wieder optimal. Aber 15min habe ich sicher im Schneegestöber verloren.

Support ist wichtig. Hier am Notschrei reicht mir Oli noch ein Gel. Foto: Lars Millentrup

Das Gebiet um den Notschrei kenne ich sehr gut. In der Vorbereitung nutzte ich viele Trainingsstunden dort. Mit wenigen Schlucken Cola meisterte ich auch die letzten 200 Höhenmeter ab dem Wiedner Eck und fuhr zufrieden auf dem 6. Gesamtrang ins Ziel. Leider hat es mit 7:04 Stunden nicht ganz für meine persönliche Traumzeit gereicht aber ich bin glücklich, auf der Originalstrecke den Rucksacklauf zu finishen. Generell muss man auch sagen, dass Zeiten keine Aussagen haben. Sind die Bedingungen schnell, was sie dieses Jahr sicher nicht waren (nass, windig, dreckig, Neuschnee…), dann verbringt man auch weniger Zeit auf seinen Ski… Aber so hatten alle Teilnehmer einen schönen langen Tag im Hochschwarzwald.
Mehr zum Thema Rucksacklauf findet ihr hier: Text Sönke Rucksacklauf
Beitragsbild: Martin Schempp

Der Klister sammelte den Dreck im Wald auf.