24 hours of Finale Ligurien 2011

Wer denkt, dass ein drei Stunden Mountainbikerennen hart ist, der hat noch nie ein 24 Stunden-Race absolviert. Man kann sich alles bequem machen aber nicht, wenn man mit der Einstellung am Start ist das Rennen zu gewinnen.
Zusammen mit der Supernova Crew, die uns bestens mit Lampen ausgestattet hat und meinen Teamfahrern Julian Schwendemann, Martin und Stefan Siefermann ging es vergangenes Wochenende nach Italien. Südlichen von Genua in Finale, den meisten bekannt als Freeride-Hochburg, stand das legendäre „24h of Finale“ auf dem Programm. Die Strecke dauerte je nach Uhrzeit zwischen 35 und 46 Minuten. Es ging über 11 Kilometer mit 270 Höhenmetern und 75% Singletrailanteil. Die restlichen 25% waren Wege, die in Deutschland bei jedem Marathon als Singletrail durchgehen würden. Also eine Strecke, die mir zusagt! Alleine der Start war schon ein Highlight für sich: Le Mond in Finale mit einem 10 Kilometer Uphill, der teilweise 24% Steigung aufwies. Im Anschluss ging es auf die genannte Runde. Mein Team entschied sich für diese Herausforderung Martin Siefermann an den Start zu stellen.
Martin kam als zweiter gesamt den Anstieg hinauf. Dann geschah das Missgeschick, an dem wir weitere 23 Stunden zu knappern hatten. Martin bekam einen Platten und das Pannenspray half nicht. Durch den Aufruf über einen Streckenposten wurde uns Mitgeteilt, dass wir nicht auf unseren Startfahrer warten brauchen und sofort einen weiteren Fahrer auf die reguläre Runde schicken können. Das Nichtbeenden des Startuphills kostete uns eine Runde, die wir Strafe bekommen haben. Fast 40 Minuten lagen wir also unmittelbar nach dem Start im Rückstand. Wir fuhren dennoch mit maximalem Speed weiter. Nach fünf Stunden lagen wir bereits auf Platz acht und auf Platz eins hatten wir noch 30 Minuten. Power On! Vollgas bis zum Kotzen! Leider traf das auch auf Stefan Wort wörtlich zu und er musste sich in der Nacht vorläufig verabschieden. Die Taktik war: Nach jeder Runde wechseln. Jede Runde wird so schnell, wie möglich gefahren. Geschlafen wurde höchstens 40 Minuten, wenn alle Biker in der Lage sind ihre Runden zu fahren. Ansonsten wird’s gleich mal richtig anspruchsvoll. Ein großes Problem ist die Nahrungsaufnahme. Irgendwann, leider viel zu früh, verweigert der Magen die Essensmengen, die nötig sind um die verbrauchte Energiemenge zu decken, aufzunehmen. Schafft man es dennoch reichhaltig zu essen, dann geht der „Schuss“ nach hinten los… . Wir reden hier von brutalem Sport. Der 24h Weltmeister, der sein Trikot spazieren trug, hat wohl den brutalsten Magen. Egal! Wir gaben Alles! Im Team nimmt auch keiner einen Gang raus um sich zu schonen. Wer fahren kann, der holt das Maximale raus. Wir steigerten uns und waren nach 15 Stunden auf Platz 4. 20 Minuten hinter den Führenden und noch weitere drei Platten warteten auf uns. Bisher hatten wir nun zwei Durchschläge und sechs gerissene Speichen an zwei Vorderrädern. So ich reduziere mal die Spannung und bringe die Geschichte auf den Punkt. Stefan konnte die letzten sechs Stunden wieder in gewohnter Kämpfermanier fahren und wir näherten uns unserm Ziel. Als Martin in der vorletzten Runde zwei Minuten auf den Zweitplatzierten aufschloss, vollendete Stefan unseren Tag auf dem Mountainbike und überholte in der letzten Runde und wir wurde zweiter. Uns fehlte am Ende fünf Minuten auf den Sieg und mir zudem noch die nötige Kraft um mich auf den Beinen zu halten. Im Anschluss war ich so ausgepowert, dass ich 18 Stunden durchgeschlafen habe.
Aktuell hocke ich direkt am Mittelmeer in der Nähe von Frejus und versuche zu regenerieren um am Sonntag beim Transvesubienne am Start zu stehen.